Holger Weber
- Bereit für die Zukunft!

Ausbildungsimpuls #17

Keine Prämien für Selbstverständlichkeiten.

Ein Azubi erhält seine Prämie für das ordentliche Führen der Ausbildungsnachweises

Manche Unternehmen versuchen, Azubis mit Prämien zu motivieren. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Ein bestimmtes Verhalten soll gefördert und entsprechend belohnt werden.

Schwierig wird es aber, wenn Unternehmen Prämien für Dinge ausloben, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Zum Beispiel für gute Leistungen in der Berufsschule oder das ordnungsgemäße Führen des Ausbildungsnachweises.

Natürlich ist es wichtig, dass der Ausbildungsnachweis sauber geführt wird. Aber er ist eben auch Pflichtbestandteil der Ausbildung. Kein „nice to have“.

In der Praxis erlebe ich zudem: Solche Prämien wirken längst nicht immer so, wie die Auslobenden es sich erhoffen. Manche Azubis nehmen den Anreiz kaum wahr. Die Geldprämie motiviert nicht wirklich. Vielleicht, weil sie nicht auf jeden Euro angewiesen sind. Viele haben noch andere Quellen.

Und dann steht man da mit einem Anreizsystem, das gut gemeint war, aber wenig verändert. Oder im schlechtesten Fall sogar etwas kaputt macht. Denn wer Selbstverständlichkeiten belohnt, riskiert, dass irgendwann nicht mehr die Aufgabe im Mittelpunkt steht, sondern die Frage: „Was bekomme ich dafür?“

Deshalb mein Impuls: Setzt Prämien nicht für Selbstverständlichkeiten ein.

Azubis sollten lernen, dass bestimmte Dinge zur Ausbildung dazugehören. Nicht, weil es dafür Geld gibt. Sondern weil sie Teil der eigenen Verantwortung sind.

Wenn es Prämien gibt, dann eher für besondere Leistungen. Für echten Einsatz. Für ein gutes Projekt. Für besondere Entwicklung. Für etwas, bei dem auch ein bisschen Anstrengung dahintersteckt. Dann kann eine Prämie auch Wertschätzung sein.

Aber wenn alles belohnt wird, was eigentlich Grundlage ist, verschwimmt irgendwann die Grenze zwischen Pflicht und besonderer Leistung.

Wie seht ihr das: Prämien für Azubis – sinnvoller Anreiz oder falsches Signal?

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