Ausbildungsimpuls #09
Die Fehler beim Lernen aus Fehlern.
„Lass den Azubi ruhig Fehler machen. Daraus lernt er.“ Grundsätzlich ist dieser Gedanke nicht falsch. Fehler gehören zur Ausbildung dazu. Und ja, Lernen durch Ausprobieren kann sehr wirksam sein.
Aber eben nicht so: Neulich war ich in einem Unternehmen, in dem genau das passiert ist. Eine Auszubildende kam zum ersten Mal in eine neue Abteilung. Diese Abteilung war auch neu im Ausbildungsplan vorgesehen. Bedeutet: Auch die Kolleginnen und Kollegen dort hatten noch nicht viel Erfahrung damit, Azubis auszubilden.
Die Idee war gut gemeint: „Wir lassen sie einfach mal machen. Dann lernt sie aus ihren Fehlern.“ Also bekam die Auszubildende eine Aufgabe. Ohne richtige Einweisung. Ohne Hintergrund. Ohne Kontext. Ohne klares Lernziel. Einfach ein: „Mach mal.“
Das Ergebnis? Die Auszubildende war frustriert, enttäuscht und hatte das Gefühl, gar keine echte Chance gehabt zu haben. Und ja, sie hat anschließend auch kein gutes Haar an der Abteilung gelassen.
Verständlich. Denn wie soll man etwas richtig machen, wenn man nicht weiß, worauf es ankommt? Und damit nicht genug: Auch die Nachbesprechung lief eher unglücklich. Nicht im Sinne von: „Was können wir daraus lernen?“ Sondern eher nach dem Motto: „Das war jetzt aber nichts.“ Auch das sorgt natürlich nicht für einen Lerneffekt. Sondern für Frust.
Lernen aus Fehlern funktioniert. Wenn es richtig begleitet wird. Wenn Azubis durch Ausprobieren lernen sollen, braucht es einen Rahmen:
- Was ist das Lernziel?
- Was soll am Ende herauskommen?
- Welche Informationen braucht der Azubi vorher?
- Wo darf ausprobiert werden?
- Wann und wie wird gemeinsam ausgewertet?
- Und vor allem: Wie wird nachbesprochen?
Denn eine Nachbesprechung ist keine Abrechnung. Sie soll helfen, den Fehler zu verstehen, einzuordnen und beim nächsten Mal anders zu handeln.
Deshalb mein Impuls: Lasst Azubis aus Fehlern lernen. Aber lasst sie nicht blind ins offene Messer laufen. Ein gutes Lernsetting braucht Vorbereitung, Begleitung und eine Nachbesprechung, die Entwicklung ermöglicht. Dann wird aus einem Fehler auch wirklich ein Lerneffekt. Und nicht nur Frust.
Welche Erfahrungen habt ihr mit „Lernen aus Fehlern“ in der Ausbildung gemacht?
